OMI-SPEC-100 – Dokumentenmodell
Status
Entwurf
Version: 0.1.0
Alte Kennung: OMI-SPEC-001
Zweck
Das „Open Manuscript Initiative“ (OMI) definiert ein semantisches Dokumentmodell, das speziell für die wissenschaftliche Kommunikation entwickelt wurde.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Textverarbeitungsprogrammen trennt „OMI“ den wissenschaftlichen Inhalt von der visuellen Darstellung. Autoren beschreiben, was die Informationen darstellen, und nicht, wie sie dargestellt werden sollen.
Das Dokumentmodell dient als gemeinsame Grundlage für die Erstellung, Begutachtung, Veröffentlichung, Langzeitarchivierung und maschinelle Verarbeitung.
Gestaltungsprinzipien
Das Dokumentmodell basiert auf den folgenden Grundsätzen:
- Semantik an erster Stelle
- Plattformunabhängig
- Für Menschen lesbar
- Maschinell verarbeitbar
- Erweiterbar
- Interoperabel
- Barrierefrei
- Langfristig haltbar
Schichtbasierte Architektur
Das Dokumentmodell von „OMI“ besteht aus mehreren Ebenen.
┌──────────────────────────────────────────────┐
│ Discipline Profiles │
├──────────────────────────────────────────────┤
│ Scholarly Objects │
├──────────────────────────────────────────────┤
│ Core Document Model │
└──────────────────────────────────────────────┘
Das Kerndokumentmodell bleibt in allen Fachbereichen unverändert.
Übergeordnete Schichten erweitern die Kernspezifikation, ersetzen sie jedoch niemals.
Kern-Dokumentmodell
Jedes „OMI“-Manuskript enthält einen gemeinsamen Satz semantischer Objekte.
Metadaten
- Titel
- Untertitel
- Autoren
- Zugehörigkeiten
- ORCID
- Zusammenfassung
- Schlüsselwörter
- Sprache
- Lizenz
- Finanzierung
- Persistente Identifikatoren
Dokumentstruktur
- Abschnitt
- Unterabschnitt
- Absatz
- Zitat
- Liste
- Abbildung
- Tabelle
- Bildunterschrift
- Gleichung
- Anhang
Wissenschaftliche Objekte
- Quellenangabe
- Literaturverzeichnis
- Fußnote
- Endnote
- Querverweis
- Datensatz
- Software
- Zusatzmaterial
- Kommentar zur Rezension
- Anmerkung
Fachprofile
Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen benötigen spezielle semantische Objekte.
OMI erweitert das Kerndokumentenmodell um Fachprofile.
Ein Profil fügt neue Objekttypen, Validierungsregeln, Metadaten und Exportverhalten hinzu, ohne das zugrunde liegende Dokumentmodell zu verändern.
Beispiele hierfür sind:
- Geschichte
- Theologie
- Sprachwissenschaft
- Mathematik
- Physik
- Chemie
- Biologie
- Medizin
- Informatik
- Ingenieurwesen
- Wirtschaft
- Recht
Beispiel: Verlaufsprofil
Das Profil „Geschichte“ führt in domänenspezifische semantische Objekte ein, wie zum Beispiel:
- Archivquelle
- Historische Persönlichkeit
- Historischer Ort
- Historisches Ereignis
- Quelle des Manuskripts
- Regest
- Kritischer Apparat
- Diplomatische Transkription
Beispiel: Mathematik-Profil
Das Fachprofil „Mathematik“ erweitert das Modell um folgende Elemente:
- Definition
- Axiom
- Satz
- Lemma
- Folgerung
- Beweis
- Formel
- Symbolregister
Beispiel: Physik-Profil
Zu den weiteren semantischen Objekten gehören:
- Gleichung
- Physikalische Konstante
- Messung
- Einheit
- Instrument
- Experiment
- Simulation
Beispiel: Chemieprofil
Zu den weiteren semantischen Objekten gehören:
- Molekül
- Verbindung
- ReactIon
- Kristallstruktur
- Spektrum
- Chemische Formel
Beispiel: Profil „Biologie“
Zu den weiteren semantischen Objekten gehören:
- Art
- Taxonomische Einordnung
- Gen
- Eiweiß
- DNA-Sequenz
- Muster
Beispiel: Arzneimittelprofil
Zu den weiteren semantischen Objekten gehören:
- Klinische Studie
- Patientenkohorte
- Maßnahme
- Ergebnis
- Ethische Genehmigung
- CONSORT-Checkliste
Mehrere Profile
Die wissenschaftliche Forschung wird zunehmend interdisziplinär.
Ein Manuskript in „OMI“ kann daher mehrere Fachprofile gleichzeitig verwenden.
Beispiel:
History
+ Computer Science
+ Linguistics
oder
Biology
+ Computer Science
+ Statistics
Jedes Profil fügt zusätzliche semantische Objekte hinzu und bleibt dabei vollständig kompatibel mit dem Core Document Model.
Plugin-Architektur
Disziplinprofile werden als Plugins implementiert.
OMI Core
│
├── History Profile
├── Mathematics Profile
├── Physics Profile
├── Medicine Profile
├── Law Profile
└── Custom Profile
Jedes Plugin kann Folgendes definieren:
- zusätzliche semantische Objekte
- Metadaten
- Validierungsregeln
- Exportzuordnungen
- Erweiterungen der Benutzeroberfläche
ohne den „OMI“-Kern zu verändern.
Objektorientiertes Modell
Ein „OMI“-Manuskript besteht aus semantischen Objekten.
Document
│
├── Metadata
├── Sections
├── Paragraphs
├── Figures
├── Tables
├── Citations
├── Bibliography
├── Annotations
├── Review Layer
└── Discipline Objects
Jedes Objekt verfügt über:
- eindeutige Kennung
- semantischer Typ
- Metadaten
- Beziehungen
- Versionsverlauf
Semantische Beziehungen
Objekte können aufeinander verweisen.
Beispiele hierfür sind:
- Zitat → Eintrag im Literaturverzeichnis
- Abbildung → Bildunterschrift
- Satz → Beweis
- Archivquelle → Repository
- Person → ORCID
- Datensatz → DOI
Beziehungen sind explizit und maschinenlesbar.
Erweiterbarkeit
Das Dokumentmodell ist auf eine langfristige Weiterentwicklung ausgelegt.
In zukünftigen Versionen werden möglicherweise weitere Objekttypen eingeführt, ohne dass dadurch bestehende Manuskripte beeinträchtigt werden.
Die Abwärtskompatibilität ist eine grundlegende Anforderung an das Design.
Zukünftige Arbeit
Zukünftige Spezifikationen werden Folgendes festlegen:
- Annotationsmodell
- Bewertungsmodell
- Zitiermodell
- Metadatenmodell
- Veröffentlichungsmodell
- Plugin-API
- Spezifikation des Dateiformats
Änderungshistorie
- 0.1.0 — Umstellung von der vorläufigen Adresse
OMI-SPEC-001auf die offizielle AdresseOMI-SPEC-100.
Zusammenfassung
Das Dokumentmodell „OMI“ ist darauf ausgelegt, wissenschaftliches Wissen darzustellen und nicht formatierte Dokumente.
Ein stabiles Kerndokumentmodell in Verbindung mit erweiterbaren Fachprofilen ermöglicht es „OMI“, alle wissenschaftlichen Disziplinen zu unterstützen und gleichzeitig Interoperabilität, Portabilität und langfristige Nachhaltigkeit zu gewährleisten.