OMI-SPEC-110 – Anker-Modell
Status
Entwurf
Version: 0.1.0
Alte Kennung: OMI-SPEC-003
Zweck
Das Anchor-Modell definiert, wie semantische Objekte mit wissenschaftlichen Inhalten verknüpft werden.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Dokumentmodellen, die auf Seitenzahlen oder Zeichenpositionen verweisen, führt „OMI“ persistente semantische Anker ein.
Anker bieten stabile Bezugspunkte, die auch bei der Bearbeitung, Veröffentlichung und Formatkonvertierung erhalten bleiben.
Sie bilden die Bindegewebsschicht der Open Manuscript Initiative.
Gestaltungsprinzipien
Das Anker-Modell basiert auf den folgenden Grundsätzen:
- Semantische Persistenz
- Layoutunabhängigkeit
- Stabile Identität
- Unterstützung mehrerer Ziele
- Versionserkennung
- Maschinenlesbarkeit
- Langzeitkonservierung
Was ist ein Anker?
Ein Anker ist ein dauerhafter semantischer Verweis, der ein oder mehrere Ziele innerhalb eines Manuskripts identifiziert.
Ein Anker enthält selbst keine Inhalte.
Stattdessen verknüpft es semantische Objekte mit aussagekräftigen Teilen eines Manuskripts.
Warum Anker?
Das traditionelle Verlagswesen stützt sich auf Seitenzahlen und Zeichenpositionen.
Diese Verweise werden ungültig, sobald sich der Text ändert.
OMI Anker sind eher an den semantischen Inhalt als an dessen visuelle Position gebunden.
Dies ermöglicht eine zuverlässige Zusammenarbeit während des gesamten Lebenszyklus eines Manuskripts.
Ankerziele
„Anchor“ kann Folgendes bedeuten:
- ein Zeichenbereich
- ein Wort
- mehrere Wörter
- ein Satz
- ein Absatz
- mehrere Absätze
- ein Abschnitt
- eine Zahl
- eine Tabelle
- eine Formel
- ein Zitat
- ein Literaturverweiseintrag
- Metadaten
- das gesamte Manuskript
Mehrere Ziele
Ein Anker kann auf mehrere Standorte verweisen.
Beispiel:
Anchor A
├── Paragraph 2
├── Figure 4
└── Table 1
Auf diese Weise kann ein einziges semantisches Objekt Beziehungen beschreiben, die sich über verschiedene Teile des Manuskripts erstrecken.
Semantische Beziehungen
Anker verbinden wissenschaftliche Objekte miteinander.
Beispiele hierfür sind:
Anmerkung ↓
Anker
↓
Textbereich
oder
Quellenangabe
↓
Anker
↓
Literaturverweis
oder
Übersetzung
↓
Anker
↓
Originalabsatz
Objekte, die Anker verwenden
Nahezu jedes semantische Objekt innerhalb von „OMI“ kann auf einen oder mehrere Anker verweisen.
Beispiele hierfür sind:
- Anmerkungen
- Quellenangaben
- Zahlen
- Tabellen
- Glossareinträge
- Übersetzungen
- Kommentare der Rezensenten
- Anmerkungen der Redaktion
- KI-Vorschläge
- Aufgaben
- Querverweise
- Hyperlinks
Anker-Metadaten
Jeder Anker enthält:
- Bezeichner
- Typ
- Ziel
- Urheber
- Erstellungszeitstempel
- Änderungshistorie
- Status
Stabile Bezeichner
Jeder Anker erhält eine weltweit eindeutige Kennung.
Beispiel:
anchor:3d91f88f-5d61-4d7e-a857-bf5b44d9f8a1
Persistente Identifikatoren gewährleisten verlässliche Verweise über verschiedene Versionen hinweg.
Bearbeitungsverhalten
Anker sollten bei gewöhnlichen Bearbeitungsvorgängen erhalten bleiben.
Beispiele hierfür sind:
- Text einfügen
- Text löschen
- Absätze verschieben
- Abschnitte aufteilen
- Abschnitte zusammenführen
Das System gewährleistet kontinuierlich die Integrität von Anchor.
Anker-Auflösung
Ändert sich das ursprüngliche Ziel wesentlich, versucht das System eine semantische Neuverknüpfung.
Mögliche Strategien sind unter anderem:
- genaue Übereinstimmung
- strukturelle Übereinstimmung
- kontextbezogene Übereinstimmung
- semantische Ähnlichkeit
Implementierungen können mehrere Strategien kombinieren.
Sichtbarkeit
Anker selbst sind unsichtbar.
Die Benutzer interagieren mit den semantischen Objekten, die ihnen zugeordnet sind.
Zum Beispiel:
Fußnote
↓
Anker
↓
Ausgewählter Text
Rendering
Verschiedene Veröffentlichungsformate stellen Anchor-basierte Objekte unterschiedlich dar.
Beispiel:
↓
Fußnote
HTML
↓
Tooltip
EPUB
↓
Endnote
JATS XML
↓
Semantisches Element
Der Anker selbst wird nie dargestellt.
Es wird nur das angehängte semantische Objekt angezeigt.
Versionsverwaltung
Anker sind Teil der Dokumentversionskontrolle.
Die gleiche Anchor-Kennung sollte nach Möglichkeit über alle Überarbeitungen des Manuskripts hinweg gültig bleiben.
Dies ermöglicht einen zuverlässigen Vergleich zwischen den verschiedenen Versionen.
Interoperabilität
Zukünftige Kartierungen könnten Folgendes umfassen:
- Datenmodell für Web-Annotationen
- W3C-Selektoren
- JATS XML
- HTML Fragment-Identifikatoren
- DOCX Kommentare
- PDF Anmerkungen
Plugin-Erweiterungen
Plugins können zusätzliche Anker-Typen definieren.
Beispiele:
Geschichte – Profil
- Archivdokument
- Auszug aus der Charta
Mathematikprofil
- Beweisschritt
- Gleichungskomponente
Biologie-Profil
- Gensequenz
- Taxonomischer Knoten
Zukünftige Arbeit
Zukünftige Spezifikationen werden Folgendes festlegen:
- Algorithmen zur Anker-Resolution
- Dokumentübergreifende Verknüpfungen
- Persistente globale Anker
- Integration von Linked Data
- Kooperative Konfliktlösung
Änderungshistorie
- 0.1.0 — Umstellung von der vorläufigen URL
OMI-SPEC-003auf die kanonische URLOMI-SPEC-110.
Zusammenfassung
Das Anker-Modell bildet die semantische Grundlage von „OMI“.
Anstatt sich auf Seitenzahlen oder visuelle Positionen zu stützen, verknüpfen Anker wissenschaftliche Objekte direkt mit ihrer Bedeutung.
Dadurch können Anmerkungen, Zitate, Peer-Reviews, KI-Unterstützung, Übersetzungen und künftige wissenschaftliche Dienste über den gesamten Prozess der Bearbeitung, Veröffentlichung und Langzeitarchivierung hinweg stabil bleiben.
Anker verwandeln ein Manuskript von einem formatierten Dokument in ein vernetztes Wissensobjekt.