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Philosophie

Einleitung

Das „Open Manuscript Initiative“ (OMI) ist nicht nur ein Softwareprojekt. Es ist eine neue Herangehensweise an wissenschaftliches Schreiben.

Die meisten modernen Autorenwerkzeuge sind aus Office-Software hervorgegangen. Sie wurden entwickelt, um formatierte Dokumente zu erstellen, und nicht, um strukturiertes Wissen zu erzeugen.

OMI geht von einer anderen Prämisse aus:

Ein Manuskript ist ein Wissensobjekt, kein formatiertes Dokument.


Vorwissen vor der Präsentation

Autoren sollten eher die Bedeutung ihrer Arbeit beschreiben als deren Erscheinungsbild.

Anstatt Schriftarten, Ränder oder Abstände festzulegen, definieren die Autoren wissenschaftliche Konzepte:

  • Titel
  • Autor
  • Zugehörigkeit
  • Zusammenfassung
  • Abschnitt
  • Zitat
  • Abbildung
  • Tabelle
  • Zitat
  • Anmerkung
  • Literaturverzeichnis

Die Darstellung wird zu einem späteren Zeitpunkt gemäß den Veröffentlichungsvorgaben erstellt.


Trennung von Inhalt und Darstellung

Die logische Struktur eines Manuskripts muss unabhängig von seiner visuellen Darstellung bleiben.

Eine semantische Quelle sollte in der Lage sein, zahlreiche Publikationsformate zu erzeugen, ohne das Originalmanuskript zu verändern.

Die Formatierung ist eine Angelegenheit des Verlags, nicht des Autors.


Ein Manuskript ist ein lebendiges Objekt

Ein Manuskript entwickelt sich weiter.

Es durchläuft mehrere Phasen:

  1. Erstellung
  2. Zusammenarbeit
  3. Fachkollegenbegutachtung
  4. Redaktionelle Überarbeitung
  5. Veröffentlichung
  6. Erhaltung

OMI betrachtet diese als unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe wissenschaftliche Objekt und nicht als separate Dokumente.


Semantik an erster Stelle

Jedes Element eines Manuskripts sollte eine eindeutige Bedeutung haben.

Eine Überschrift ist nicht einfach nur größerer Text.

Ein Zitat ist nicht nur Text in Klammern.

Eine Fußnote ist nicht einfach nur ein kleinerer Absatz.

Jedes davon stellt ein semantisches Objekt mit klar definiertem Verhalten und Metadaten dar.


Strukturiertes Wissen

Wissenschaftliche Kommunikation besteht aus miteinander verbundenen Elementen.

Beispiele hierfür sind:

  • Autoren
  • Institutionen
  • ORCID Bezeichner
  • Literaturverzeichnis
  • Datensätze
  • Software
  • Finanzierung
  • permanente Kennungen
  • Kommentare zur Rezension
  • Anmerkungen

OMI modelliert diese Beziehungen explizit, anstatt sie in formatierten Text einzubetten.


Modularität

Jede Komponente von „OMI“ sollte austauschbar sein.

Editoren, Renderer, Exporter, Plugins und Integrationen sollten über stabile Schnittstellen miteinander kommunizieren.

Die Kernplattform sollte schlank und erweiterbar bleiben.


Plattformunabhängigkeit

OMI ist nicht an ein bestimmtes Betriebssystem, eine bestimmte Programmiersprache oder eine bestimmte Veröffentlichungsplattform gebunden.

Semantische Manuskripte sollten sich problemlos zwischen Anwendungen übertragen lassen, ohne dass dabei Informationen verloren gehen.


Offenheit

Alle Spezifikationen sollten offen dokumentiert werden.

Alle Schnittstellen sollten öffentlich zugänglich sein.

Die Beteiligung der Bevölkerung sollte während der gesamten Projektentwicklung gefördert werden.


Barrierefreiheit

Barrierefreiheit ist eine Gestaltungsanforderung, keine Zusatzfunktion.

Jeder Forscher sollte in der Lage sein, Manuskripte zu verfassen, zu begutachten und zu veröffentlichen – unabhängig von seinen Fähigkeiten oder den verfügbaren technischen Mitteln.


Langlebigkeit

Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten über Jahrzehnte hinweg nutzbar bleiben.

OMI befürwortet daher:

  • offene Standards
  • semantische Strukturen
  • dokumentierte Formate
  • stabile Bezeichner
  • Interoperabilität

gegenüber proprietären Technologien.


Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist ein Hilfsmittel für die wissenschaftliche Arbeit.

Es kann Autoren dabei helfen, den Sprachstil, die Konsistenz, die Metadaten und die Struktur zu verbessern.

Die wissenschaftliche Beurteilung, Interpretation und Verantwortung liegen stets bei den menschlichen Forschern.


Menschenzentriertes Design

Technologie sollte sich an die wissenschaftliche Praxis anpassen.

Forscher sollten niemals gezwungen sein, sich mit den Abläufen im Verlagswesen auseinanderzusetzen, um ihre Ideen zu vermitteln.

Software dient dazu, die Wissenschaft zu unterstützen – und nicht umgekehrt.


Die Designphilosophie von „OMI“

Jede Designentscheidung bei „OMI“ sollte drei Fragen beantworten:

  1. Verbessert dies die wissenschaftliche Kommunikation?
  2. Bleibt dabei die semantische Bedeutung erhalten?
  3. Führt dies zu einer besseren Interoperabilität?

Falls die Antwort „Nein“ lautet, sollte die Funktion noch einmal überdacht werden.


Zusammenfassung

OMI basiert auf einem einfachen Prinzip:

Schreibe ganz natürlich. Einmal strukturieren. Überall veröffentlichen.

Alles andere ergibt sich aus dieser Idee.